Weniger Milch durch Virusinfektion
Weniger Milch durch Virusinfektion, pixabay/Foto illustrativ

Ein Jahr nach dem ersten Auftreten der Blauzungenkrankheit in Schleswig-Holstein zeigen sich weiterhin gravierende Auswirkungen auf Landwirtschaft und Tiergesundheit. Besonders stark betroffen sind Nordfriesland, Dithmarschen und das Herzogtum Lauenburg. Die Folgen reichen von gesunkenen Milchmengen über hohe Tierverluste bis hin zu millionenschweren Versicherungsschäden.

Inhaltsverzeichnis:

Mehr als 200 Fälle im Kreis Herzogtum Lauenburg

Laut Dr. Kristina Hein vom Kreisveterinäramt Herzogtum Lauenburg wurden allein dort im Jahr 2024 insgesamt 200 Fälle gemeldet. Bis Juli 2025 kamen 84 weitere hinzu. Dabei steht ein Fall jeweils für einen ganzen Betrieb, nicht nur für ein einzelnes Tier. Auch in Nordfriesland und Dithmarschen häufen sich die Meldungen.

Infizierte Kühe geben langfristig weniger Milch. Recherchen ergaben Rückgänge von bis zu 20 Prozent bei einzelnen Tieren. Im August 2024 sank die Milchanlieferung in Schleswig-Holstein im Vergleich zur Vorjahreswoche um 1,3 Prozent. Dies übertraf den üblichen saisonalen Rückgang deutlich. Die Statistik der Agrarmarktforschung AMI bestätigt diesen Trend.

Deutlich gestiegene Milchpreise seit Oktober 2024

Ab Oktober 2024 kletterten die Milchpreise deutlich. Milchbauern erhielten über 50 Cent pro Kilogramm Milch – ein Niveau, das seit Langem nicht mehr erreicht wurde. Laut Bauernblatt führten die knapperen Mengen zu steigenden Grundpreisen und Zuschlägen. Supermärkte gaben diese Erhöhungen offenbar an die Verbraucher weiter.

Die Preisentwicklung entlastete einige Betriebe zwar wirtschaftlich, brachte aber für viele keinen vollständigen Ausgleich der Verluste. Sven Harms, Landwirt aus Lütau, kritisierte seine Versicherung: Trotz anerkannter Schäden werde keine Auszahlung geleistet. Die Begründung: Der gestiegene Milchpreis würde den Verlust ausgleichen.

"Trojanische Kälber" stellen künftiges Risiko dar

Jedes vierte Kalb von infizierten Kühen trägt das Virus in sich. Diese sogenannten „trojanischen Kälber“ sind entweder tot, missgebildet oder zeigen auffälliges Verhalten. Laut Friedrich-Löffler-Institut können sie zur weiteren Verbreitung beitragen. Die Krankheit ist meldepflichtig, wird aber nicht immer erkannt oder angezeigt.

Das Virus zeigt zudem starke Mutationen. Während in Schleswig-Holstein der Serotyp BTV-3 verbreitet ist, tritt im Süden Deutschlands bereits BTV-8 auf. Die Sorge wächst, dass diese Variante auch in den Norden gelangen könnte. Die Überträger – Gnitzen – sind weiterhin aktiv. Kristina Hein warnt: „Die Impfdecke ist nicht geschlossen.“

Tausende verendete Tiere und hohe Versicherungsschäden

Zwischen August und Oktober 2024 starben in Schleswig-Holstein rund 3.400 Rinder mehr als im gleichen Zeitraum der Vorjahre. Genaue Zahlen zu Schafen gibt es nicht, doch das Landwirtschaftsministerium bestätigt einen „deutlich erhöhten Verlust“ während der Hochphase.

Die finanziellen Schäden belaufen sich laut Angaben der R+V-Versicherung bundesweit auf rund 30 Millionen Euro im Jahr 2024. 10.500 Landwirte reichten Anträge ein. Doch Auszahlungen erfolgen nur eingeschränkt. Laut Versicherung werde bei der Berechnung auch der gestiegene Fleisch- und Milchpreis berücksichtigt. Fällt der Gesamtschaden unter die Selbstbeteiligung, erhalten die Betriebe keine Entschädigung.

Die wichtigsten Fakten im Überblick

  • 200 gemeldete Fälle im Kreis Herzogtum Lauenburg im Jahr 2024
  • 3.400 tote Rinder in drei Monaten
  • Bis zu 20 % weniger Milch bei einzelnen Kühen
  • Über 10.000 Anträge auf Schadensregulierung bundesweit
  • 30 Millionen Euro Versicherungsschäden bei R+V
  • Vermehrte Virusmutation mit möglicher Ausbreitung nach Norddeutschland

Das Virus ist auch im Sommer 2025 weiter aktiv. Die vollständigen Folgen – wirtschaftlich wie gesundheitlich – bleiben noch immer schwer abschätzbar.

 Quelle: NDR