Immer mehr Clubs und Diskotheken in Schleswig-Holstein stehen vor dem Aus. Die Besucherzahlen sinken, die Kosten steigen und die Konkurrenz durch Streamingdienste und soziale Netzwerke wächst. Besonders betroffen sind Betreiber wie Kaj-Uwe Dammann vom Club „Ela Ela“ in Schleswig oder Archie Epler von der Disco-Tiebensee bei Heide.
Inhaltsverzeichnis:
- Kaj-Uwe Dammann und der Club Ela Ela
- Archie Epler und die Disco-Tiebensee
- Bundesverband und die Konkurrenz durch Spotify und Tinder
- Atrium in Schwentinetal setzt auf Sicherheit und Shows
- Ein unsicherer Blick in die Zukunft
Kaj-Uwe Dammann und der Club Ela Ela
Im „Ela Ela“ stehen zwei schwarze Särge neben der Tanzfläche. Sie sind Teil der Gothic Night, zu der noch rund 250 Gäste erscheinen. Früher waren es bis zu 1.000 Menschen, die Auftritte von PUR, Jürgen Drews oder der Spencer Davis Group erlebten. Heute kämpft Betreiber Kaj-Uwe Dammann mit gestiegenen Kosten. Seine Ausgaben sind in den letzten drei Jahren um 25 Prozent gestiegen.
- Energiepreise belasten den Betrieb
- Die monatliche Miete liegt im fünfstelligen Bereich
- GEMA-Gebühren richten sich nach Raumgröße und nicht nach Besucherzahl
Dammann erklärt, dass ohne neue Einnahmequellen das Ende des Clubs schon im kommenden Jahr möglich sei.
Archie Epler und die Disco-Tiebensee
Auch Archie Epler berichtet von Problemen. Die Eröffnungsveranstaltung nach der Sommerpause läuft gut, danach sinken die Besucherzahlen schnell. Seit der Pandemie sei die Lage angespannt. Epler kann seine Disco nur halten, weil er mit seiner Zeltbau-Firma ein zweites Standbein hat.
Seine Einschätzung ist deutlich. „Neue Läden wird es nicht mehr geben. Die Epoche der Diskotheken geht zu Ende.“ Ein Blick auf die Statistik bestätigt diese Entwicklung. 2014 gab es in Schleswig-Holstein 75 Clubs, zehn Jahre später nur noch 44.
Bundesverband und die Konkurrenz durch Spotify und Tinder
Laut dem Bundesverband deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe hat die Branche mit bisher unbekannten Schwierigkeiten zu kämpfen. Streamingdienste wie Spotify und Dating-Apps wie Tinder ersetzen Funktionen, die früher nur Clubs boten. Hinzu kommen steigende GEMA-Gebühren, höhere Löhne und zunehmende Bürokratie.
- Jüngere Menschen hören Musik online
- Neue Kontakte entstehen über soziale Netzwerke
- Das Ausgehverhalten hat sich verändert
Die Generation Z betrachtet Feiern nicht mehr als Pflicht am Wochenende. Festivals und private Treffen gewinnen an Bedeutung.
Atrium in Schwentinetal setzt auf Sicherheit und Shows
Ein Gegenmodell bietet das „Atrium“ in Schwentinetal bei Kiel. Der neue Besitzer Dik Hennig investiert in Sicherheit. Geschultes Personal, Metalldetektoren an den Eingängen und ein Hilfecode an der Bar sollen den Gästen Schutz geben.
Auch beim Programm setzt der Club auf neue Wege. Live-Acts wie Gzus oder Capital Bra ziehen viele Besucher an. Allein auf Instagram hat das Atrium über 19.000 Follower. Die Shows sind so gestaltet, dass sie für soziale Netzwerke attraktiv sind.
Ein unsicherer Blick in die Zukunft
Die Betreiber versuchen, sich anzupassen. Dammann setzt auf Firmenfeiern, Schulabschlussfeste und eine monatliche Disco für Menschen mit Handicap. Auch Equipmentverleih soll helfen. Ob diese Maßnahmen reichen, ist unklar. Viele Clubs sehen sich trotz aller Bemühungen am Ende einer Ära.
Quelle: NDR