Mehrere Drohnenüberflüge über Schleswig-Holstein sorgen für neue Ermittlungen. Betroffen sind besonders Einrichtungen der kritischen Infrastruktur. Behörden prüfen nun den Verdacht, dass es sich nicht um zufällige Flüge gehandelt hat, sondern um gezielte Vermessungen.
Inhaltsverzeichnis:
- Drohnen über thyssenkrupp und Kieler Klinik
- Vermessung am Nord-Ostsee-Kanal
- Neue Sichtungen in Mecklenburg-Vorpommern
- Reaktion der Politik und geplante Maßnahmen
- Drohnenabwehr als Sicherheitsfrage
Drohnen über thyssenkrupp und Kieler Klinik
Am Donnerstagabend gegen 21 Uhr wurden zunächst zwei kleine Drohnen über dem Werksgelände der Marinesparte von thyssenkrupp gesichtet. Wenig später folgte eine größere Formation. Über dem Universitätsklinikum Kiel tauchte ein sogenannter Drohnenverbund mit einer Mutterdrohne auf. Über der Kieler Förde wurden zudem eine große stationäre Drohne sowie mehrere kleinere Flugobjekte beobachtet.
Die Polizei stellte fest, dass die Fluggeräte in parallelen Bahnen flogen. Dies deutet laut den Unterlagen darauf hin, dass gezielte Vermessungen der Objekte am Boden durchgeführt wurden. Besonders betroffen war dabei auch das Landeshaus in Kiel, Sitz des schleswig-holsteinischen Landtags.
Vermessung am Nord-Ostsee-Kanal
In internen Vermerken heißt es weiter, dass die Flugrouten über große Teile des Nord-Ostsee-Kanals führten. Die Drohnen bewegten sich dabei von Ost nach West. Damit waren nicht nur einzelne Gebäude, sondern auch eine bedeutende Wasserstraße von den Sichtungen betroffen.
Zu den betroffenen Objekten zählen:
- das Kraftwerk
- das Universitätsklinikum Kiel
- das Landeshaus in Kiel
- der Nord-Ostsee-Kanal
Neue Sichtungen in Mecklenburg-Vorpommern
Auch außerhalb Schleswig-Holsteins wurden Drohnen gesichtet. Am Bundeswehrstandort Sanitz in Mecklenburg-Vorpommern entdeckten Sicherheitskräfte verdächtige Fluggeräte. Einen Tag später gab es einen ähnlichen Vorfall über dem Marinekommando in Rostock.
Die Behörden nehmen die Vorgänge ernst. Sie stehen im Zusammenhang mit weiteren Sichtungen über dänischen Flughäfen und Militärstützpunkten. Mehrere Flughäfen mussten in den vergangenen Tagen zeitweise den Betrieb einstellen.
Reaktion der Politik und geplante Maßnahmen
Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack von der CDU bestätigte zunächst lediglich, dass Drohnenüberflüge festgestellt wurden. Details zu den Routen oder Zielen nannte sie nicht. Inzwischen wurde jedoch bekannt, dass die Zahl der betroffenen Objekte höher ist als zunächst angenommen.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt von der CSU kündigte nach mehreren Vorfällen in Europa den Aufbau eines neuen Drohnenabwehrzentrums an. Geplant ist, die Bundeswehr künftig stärker in die Bekämpfung von Drohnen einzubinden.
Drohnenabwehr als Sicherheitsfrage
Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die Bedrohung durch unbemannte Fluggeräte zunimmt. Die Überflüge über Kraftwerke, Kliniken und Regierungsgebäude werfen ernste Fragen zur Sicherheit auf. Deutschland will deshalb seine Drohnenabwehr verbessern.
Die Ermittlungen dauern an. Behörden prüfen weiterhin, ob die Flüge der Sammlung von Daten dienten und ob eine Verbindung zu anderen europäischen Vorfällen besteht.
Quelle: Tagesschau, YouTube