Der demografische Wandel verändert das Leben in Schleswig-Holstein deutlich. Immer mehr ältere Menschen suchen nach neuen Wohnformen, die Selbstständigkeit und Gemeinschaft verbinden. Besonders Wohngemeinschaften für Senioren gewinnen an Beliebtheit. Im Haus „Heimathafen“ in Rendsburg leben vier Seniorinnen und Senioren zusammen – mit eigenen Zimmern, gemeinsamer Küche und Wohnzimmer. Der Tag beginnt dort mit Gesprächen, Kaffeeduft und einem Gefühl von Nähe.
Inhaltsverzeichnis:
- Bevölkerung in Schleswig-Holstein wird älter
- Senioren-WGs in Rendsburg, Sylt und Schleswig
- Alltag und Vorteile gemeinschaftlicher Wohnformen
- Wolfgang Kock und die Rolle der Gemeinschaft
- Neue Konzepte für eine alternde Gesellschaft
Bevölkerung in Schleswig-Holstein wird älter
Schleswig-Holstein altert. Laut Statistikamt Nord leben derzeit rund 710.000 Menschen, die 60 Jahre oder älter sind. Das entspricht etwa 24 Prozent der Bevölkerung. Bis 2040 wird dieser Anteil auf 28,5 Prozent steigen. Dann werden etwa 844.850 Menschen zur Altersgruppe 60 plus gehören.
Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko der Vereinsamung. Etwa jede dritte Person über 65 lebt in einem Einpersonenhaushalt. Besonders in ländlichen Regionen bedeutet das oft soziale Isolation. Gleichzeitig wächst der Pflegebedarf. 2023 wurden im Land rund 175.000 Menschen als pflegebedürftig erfasst. Der größte Teil wird zu Hause versorgt.
- 710.000 Menschen über 60 (2024)
- 844.850 prognostiziert bis 2040
- 175.000 Pflegebedürftige in Schleswig-Holstein
- 81.148 ambulant Gepflegte im Jahr 2023
Senioren-WGs in Rendsburg, Sylt und Schleswig
In mehreren Städten entstehen Projekte, die gemeinschaftliches Wohnen im Alter fördern. In Rendsburg teilen sich vier Seniorinnen und Senioren ein Haus. Auf Sylt betreibt der Verein „Gemeinsam Leben und Wohnen“ seit 2022 die erste Senioren-WG. Eine zweite ist für 2026 geplant. In Schleswig wächst das Stadtquartier „Schlie Leven“, in dem altersgerechtes Wohnen von Anfang an integriert ist.
Die Zahl solcher Wohnformen lässt sich schwer erfassen, da viele selbstorganisiert sind. Laut der Koordinationsstelle für innovative Wohn- und Pflegeformen im Alter (KIWA) gibt es rund 140 Wohnpflegegemeinschaften im Land. Etwa 130 davon richten sich an Menschen mit Demenz oder höherem Pflegebedarf. Nur rund sieben sind für weitgehend selbstständige Seniorinnen und Senioren gedacht.
Mehr Informationen zu regionalen Entwicklungen finden Sie unter Wohnungsnot in Schleswig-Holstein.
Alltag und Vorteile gemeinschaftlicher Wohnformen
In Senioren-WGs hat jede Person ihr eigenes Zimmer, doch Küche, Wohnzimmer und Garten werden gemeinsam genutzt.
Bei Bedarf kommen ambulante Pflegedienste hinzu. Für Menschen mit geringem Pflegebedarf bietet dieses Modell eine ideale Balance zwischen Freiheit und Unterstützung.
Der Alltag ist geprägt von gegenseitiger Hilfe und Nähe. Es wird zusammen gekocht, geplaudert oder im Garten gearbeitet. Bewohnerin Margot Holländer (98) sagt: „Dass man mal in den Garten gehen kann und mit wenigen Leuten zusammen sein kann, das ist mir lieber [als ein Seniorenheim]. Ich war die erste, die zugesagt hat!“
- Vermeidung von Einsamkeit
- Selbstbestimmtes Wohnen
- Flexible Organisation von Hilfe
- Entlastung von Angehörigen
Weitere Hintergründe zu sozialem Wandel finden Sie unter Bürgergeld in Schleswig-Holstein.
Wolfgang Kock und die Rolle der Gemeinschaft
Der Rendsburger Hausbesitzer Wolfgang Kock hat die WG „Heimathafen“ gegründet. Er sieht darin eine Antwort auf den steigenden Bedarf an gemeinschaftlichem Wohnen im Alter. Kock betont, dass Eigeninitiative entscheidend ist. Bewohner, Angehörige und Betreuende übernehmen Verantwortung und gestalten Abläufe gemeinsam.
Während anbietergetragene WGs mehr Service bieten, erfordern selbstorganisierte Modelle Engagement. Wer über Platz und Motivation verfügt, könne laut Kock ähnliche Projekte starten. „Wir haben hier oft Leute durchs Haus geführt und haben gesagt, mach doch selber so etwas auf, wenn du die Kapazitäten hast.“
Mehr zu regionalen Lebensinitiativen lesen Sie unter Kaffee auf dem Land.
Neue Konzepte für eine alternde Gesellschaft
Der demografische Wandel stellt Schleswig-Holstein vor Herausforderungen, aber auch vor Chancen. Nach 2030 wird die Zahl älterer Menschen stark zunehmen. Modelle wie Senioren-WGs, Mehrgenerationenhäuser oder „Wohnen gegen Hilfe“ gewinnen an Bedeutung. Über 80 Prozent der Pflegebedürftigen im Land werden bereits zu Hause betreut.
Gerade in ländlichen Regionen können gemeinschaftliche Wohnformen Pflegekräfte entlasten, da ambulante Dienste oft fehlen. Doch sie stoßen an Grenzen, etwa bei Demenz oder starkem Pflegebedarf.
Die Beispiele aus Rendsburg, Sylt und Schleswig zeigen, dass Nähe und Gemeinschaft im Alter möglich bleiben – ohne Verlust der Selbstständigkeit. Schleswig-Holstein steht damit vor einem wichtigen Schritt in Richtung zukunftsfähiger Wohnmodelle für alle Generationen.
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Quelle: NDR