Resistente Schweine gegen Schweinepest
Resistente Schweine gegen Schweinepest, Foto: Pixabay

Forscher aus Schottland und Deutschland haben einen bedeutenden Fortschritt in der Tiermedizin erzielt. Durch gezielte Veränderung eines Gens gelang es ihnen, Schweine gegen die Klassische Schweinepest (KSP) immun zu machen. Die Universität Lübeck spielte dabei eine Schlüsselrolle, indem sie die Grundlagenforschung für das Projekt lieferte. Die Ergebnisse zeigen ein hohes Potenzial für den zukünftigen Schutz von Nutztieren, auch wenn die Methode in der Europäischen Union noch nicht zugelassen ist.

Inhaltsverzeichnis:

Durchbruch an der Universität Edinburgh

Ein Forscherteam der Universität Edinburgh hat nach eigenen Angaben Schweine gezüchtet, die vollständig resistent gegen die Klassische Schweinepest sind. Die Wissenschaftler veränderten ein Gen, das für ein bestimmtes Protein im Körper der Tiere verantwortlich ist. Dieses Protein dient dem Virus normalerweise als Andockstelle. Durch das Ersetzen einer einzigen Aminosäure verhinderten die Forscher, dass sich das Virus an das Protein binden kann. Dadurch bleibt das Tier gesund, da sich der Erreger nicht weitervermehren kann.

Versuche bestätigen Resistenz

Zur Überprüfung wurden die genetisch modifizierten Schweine gezielt mit dem Virus infiziert. Parallel dazu untersuchten die Forscher eine Kontrollgruppe ohne genetische Veränderung. Die veränderten Tiere zeigten keinerlei Krankheitssymptome und keine Hinweise auf eine Immunreaktion. Bei den unveränderten Schweinen traten hingegen Fieber und andere typische Symptome auf. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden in der Fachzeitschrift Trends in Biotechnology veröffentlicht.

Zusammenarbeit mit der Universität Lübeck

Die methodische Grundlage stammt von der Universität Lübeck. Dort wurde die Technik zunächst in Zellkulturen erfolgreich getestet. Ohne diese Vorarbeit wäre der praktische Versuch an lebenden Tieren nicht möglich gewesen. Die Kooperation zwischen beiden Forschungseinrichtungen gilt als Beispiel für die erfolgreiche Verbindung von Grundlagen- und Anwendungsforschung.

Anwendung in der Europäischen Union eingeschränkt

Trotz des Erfolgs bleibt die Umsetzung in Europa schwierig. Die Zucht und der Handel mit genetisch veränderten Tieren sind in der Europäischen Union weiterhin verboten. Das bedeutet, dass die resistenten Schweine in Deutschland vorerst nicht gezüchtet oder vermarktet werden dürfen. Forscher betonen jedoch, dass die Methode langfristig helfen könnte, Tierseuchen besser zu kontrollieren und wirtschaftliche Verluste zu verhindern.

Die Krankheit bleibt gefährlich

Die Klassische Schweinepest ist eine hochansteckende Viruskrankheit, die sowohl Haus- als auch Wildschweine betrifft.

Die Krankheit befällt auch Wildschweine
Die Krankheit befällt auch Wildschweine, Foto: Pixabay
  • Ein infiziertes Tier kann in kurzer Zeit tausende andere Schweine anstecken.
  • Betroffene Bestände müssen vollständig getötet werden.
  • Für Landwirte entstehen dadurch erhebliche wirtschaftliche Schäden.

Deutschland gilt seit 2012 als frei von der klassischen Variante, während die Afrikanische Schweinepest aktuell größere Probleme verursacht. Dennoch bleibt die Krankheit weltweit verbreitet und stellt weiterhin eine Gefahr für die Tierhaltung dar.

Die Forschungsergebnisse aus Lübeck und Edinburgh eröffnen neue Perspektiven im Kampf gegen Tierseuchen – auch wenn ihr praktischer Einsatz noch auf rechtliche Hürden stößt.

Quelle: NDR