Smartphones bleiben künftig im Schließfach
Smartphones bleiben künftig im Schließfach, Foto: pixabay

Ab dem Schuljahr 2025/26 tritt in Schleswig-Holstein ein umfassendes Handyverbot für Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge fünf bis neun an weiterführenden Schulen in Kraft. Die Maßnahme soll die Konzentration im Unterricht verbessern und Störungen minimieren. Einige Schulen setzen die Regelungen bereits vorzeitig um, darunter die Kurt-Tucholsky-Schule in Flensburg. Dort wird das Verbot auf die Jahrgangsstufe zehn ausgeweitet. Kritische Stimmen kommen von Schülervertretungen und Gewerkschaften. Die Umsetzung erfolgt in Stufen – mit Ausnahmen und Diskussionen.

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Kurt-Tucholsky-Schule Flensburg setzt Verbot bereits um

In Flensburg werden ab dem Schuljahr 2025/26 alle Klassenräume mit abschließbaren Handy-Tresoren ausgestattet. An der Kurt-Tucholsky-Schule hängen bereits sogenannte Handygaragen an den Wänden, die während des Unterrichts genutzt werden. In diesen Wandtaschen mit 24 offenen Fächern verstauen die Schüler ihre Geräte vor Unterrichtsbeginn. Die Klassenlehrerin Mareike Bruhn erklärt, dass die Maßnahme die Ablenkung im Unterricht deutlich reduziert habe. Zuvor hätten Handys geklingelt und Fotos seien heimlich gemacht worden.

Die Schulkonferenz, in der Lehrkräfte, Eltern und Schüler stimmberechtigt sind, hat mit großer Mehrheit beschlossen, das Verbot bis zur Jahrgangsstufe zehn auszudehnen. Nur zwei von 36 Mitgliedern stimmten dagegen, wie Schulleiter Martin Feddersen mitteilt. Die Oberstufenschüler der Jahrgänge 11 bis 13 sind von der Regelung ausgenommen. Sie dürfen ihre Handys in den Pausen weiterhin nutzen.

Einheitliche Regeln bis 2026/27 in ganz Schleswig-Holstein

Das Bildungsministerium unter Leitung von Dorit Stenke (CDU) hat entschieden, dass die private Nutzung digitaler Endgeräte an weiterführenden Schulen künftig eingeschränkt wird. Das Verbot gilt verbindlich ab dem Schuljahr 2025/26, mit einer Übergangsfrist bis 2026/27. Für Grundschulen besteht die Regelung bereits seit dem Jahr 2023. In Ausnahmefällen – etwa zur Unterrichtsunterstützung – dürfen Geräte wie Tablets weiterhin verwendet werden.

Während manche Schulen wie die Kurt-Tucholsky-Schule das Vorhaben zügig umsetzen, nutzen andere – wie das Gymnasium Dahlmannschule in Bad Segeberg – die gesamte Vorbereitungszeit. Dort plant die Schulkonferenz, sich intensiv mit anderen Schulen auszutauschen und eigene Regelungen zu entwickeln. Das bedeutet: Noch nicht alle Schulen im Land werden zum Schulstart im September 2025 bereit sein.

Kritik von Schülervertretungen und Gewerkschaft

Der Landesschülersprecher Elias Görth lehnt das pauschale Verbot ab. Er fordert stattdessen eine gezielte Förderung von Medienkompetenz in unteren Jahrgangsstufen. Seiner Meinung nach sollten digitale Medien nicht verteufelt, sondern sinnvoll eingebunden werden. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Schleswig-Holstein unterstützt das Verbot grundsätzlich. Die Co-Landesvorsitzende Kerstin Quellmann kritisiert jedoch, dass die Verantwortung für die Umsetzung allein bei den Schulen liege.

Das führe laut GEW zu zusätzlichem Aufwand und Konflikten mit Eltern und Schülern. Eine einheitliche und klare Vorgabe durch das Ministerium fehle. Viele Schulen müssten eigenständig Konzepte entwickeln und Diskussionen führen, was den Verwaltungsaufwand erhöht.

Ministerium überlässt Umsetzung den Schulen

Das Bildungsministerium weist die Kritik zurück. Eine Sprecherin erklärte gegenüber dem NDR, dass die Bedingungen vor Ort berücksichtigt werden müssten. Entscheidungen sollten gemeinsam mit Schülern, Eltern und Lehrkräften getroffen werden, um die Akzeptanz zu erhöhen. An der Kurt-Tucholsky-Schule ist dies gelungen.

Die Einführung des Handyverbots wird in Schleswig-Holstein nicht überall gleichzeitig stattfinden. Unterschiede zwischen den Schulen bleiben möglich, da jede Einrichtung ihre Umsetzung selbst gestalten darf. Die ersten Erfahrungen aus Flensburg zeigen aber: Eine klare Regelung kann funktionieren – wenn sie mit allen Beteiligten abgestimmt ist.

Quelle: NDR