Union und SPD haben sich auf eine Reform des Gebäudeenergiegesetzes geeinigt. Die geplanten Änderungen betreffen Millionen Immobilieneigentümer. Künftig soll die Pflicht entfallen, dass neu eingebaute Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Damit wird eine zentrale Vorgabe des bisherigen Gesetzes aufgehoben. Weitere Informationen zum Gebäudeenergiegesetz bietet das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz.
Inhaltsverzeichnis
- Union und SPD ändern Gebäudeenergiegesetz
- Tobias Goldschmidt kritisiert Kurs
- Enno de Vries empfiehlt Wärmepumpen
- Kai Schiefelbein und Fabian Henschel reagieren
Union und SPD ändern Gebäudeenergiegesetz
Die pauschale 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energien bei neuen Heizungen soll abgeschafft werden. Union und SPD wollen damit das frühere Gebäudemodernisierungsgesetz anpassen. Immobilienbesitzer dürfen weiterhin Öl- und Gasheizungen einbauen.
Ab 2029 gelten jedoch neue Bedingungen. Diese Anlagen müssen dann mit einem steigenden Anteil an Biobrennstoffen betrieben werden. Fördermittel sind für sie nicht vorgesehen. Bestehende Öl- und Gasheizungen durften bereits nach alter Rechtslage weiterlaufen. Neu eingebaute Systeme mussten bislang die 65-Prozent-Vorgabe erfüllen.
Die Reform geht auf ein zentrales Wahlversprechen der Union zurück. Das ursprüngliche Gesetz war vor drei Jahren unter dem früheren Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) entstanden.
Tobias Goldschmidt kritisiert Kurs
Tobias Goldschmidt, Umweltminister in Schleswig-Holstein, übte scharfe Kritik. Er sprach von Politik gegen kommende Generationen. Nach seiner Einschätzung werde nach dem Verkehrssektor nun Politik für Gas gemacht. Er bezeichnete die Entwicklung als Durchmarsch der Gaslobby.
Goldschmidt appellierte an Hauseigentümer, keine fossilen Heizsysteme zu erwerben. Gas könne zur Kostenfalle werden. Besonders Mieter seien betroffen. Zudem äußerte er Zweifel an den Auswirkungen auf das Klima.
Auch Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) bewertete die Reform negativ. Sie erklärte, der Klimaschutz bei Gebäuden werde faktisch abgeschafft. Weder Bund noch Länder könnten so bis 2045 klimaneutral werden.
Die Linke sieht Vorteile für fossile Energiekonzerne. Die CDU Hamburg hingegen begrüßt die Änderungen. Fraktionsvorsitzender Dennis Thering sprach von einem modernen und realistischen Rahmen für die Wärmewende. Wer aktuelle Meldungen aus dem Norden bündelt, findet mehr hier.
Enno de Vries empfiehlt Wärmepumpen
Enno de Vries vom Zentralverband für Sanitär, Heizung und Klima in Schleswig-Holstein rät weiterhin zu Wärmepumpen. Diese Technik sei modern und zukunftsfähig. Gleichzeitig kritisierte er unklare Förderbedingungen. Zwar sei im Eckpunktepapier eine ausreichende Förderung angekündigt, Details fehlten jedoch.
Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums beträgt die Förderquote derzeit bis zu 70 Prozent für private Haushalte mit geringem und mittlerem Einkommen. Die staatliche Unterstützung bleibt damit ein zentraler Faktor für Investitionsentscheidungen.
Wichtige Marktdaten im Überblick
- 299.000 verkaufte Wärmepumpen im Jahr 2024
- 356.000 Anlagen im Rekordjahr 2023
- 30 Prozent Absatzplus 2025 bei Stiebel Eltron
Kai Schiefelbein und Fabian Henschel reagieren
Der niedersächsische Hersteller Stiebel Eltron aus Holzminden begrüßt die Neuregelung. Das Unternehmen sieht mehr Klarheit. Die geplante Fortführung der Förderung bis mindestens 2029 wertet es als positives Signal. Zuvor hatte Geschäftsführer Kai Schiefelbein einen möglichen Markteinbruch bei Kürzungen erwartet.
Im vergangenen Jahr stieg der Absatz bei Stiebel Eltron wieder um 30 Prozent. Zuvor hatte Unsicherheit über Förderbedingungen zu Zurückhaltung bei Neueinstellungen geführt. Passende Hintergründe zur Energiewende sind ebenfalls verfügbar.
Kritischer äußerte sich Fabian Henschel, Geschäftsführer der Burmeister GmbH aus Kronshagen im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Er verwies auf ein System, auf das sich das Handwerk eingestellt habe. Die erneute Änderung schaffe Verunsicherung. Konkrete Folgen für Kunden und Betriebe seien derzeit schwer abschätzbar.
Mit der Reform endet die verpflichtende 65-Prozent-Vorgabe. Öl- und Gasheizungen bleiben zulässig, unterliegen jedoch ab 2029 strengeren Auflagen ohne staatliche Förderung. Wer sich vertiefend mit Perspektiven beschäftigt, findet MEHR.
FAQ
Was wollen Union und SPD am Gebäudeenergiegesetz ändern?
Die pauschale Pflicht, dass jede neu eingebaute Heizung mit mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden sollte, soll wieder abgeschafft werden.
Dürfen Öl- und Gasheizungen weiterhin eingebaut werden?
Union und SPD wollen Immobilienbesitzern erlauben, weiter Öl- und Gasheizungen in ihre Wohnhäuser einbauen zu dürfen.
Welche Regeln gelten für neue Öl- und Gasheizungen ab 2029?
Diese müssen ab 2029 mit einem ansteigenden Anteil von möglicherweise teuren Biobrennstoffen betrieben werden und sollen keine Förderung erhalten.
Wie hoch ist die aktuelle Förderquote laut Bundeswirtschaftsministerium?
Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums beträgt die Förderquote derzeit bis zu 70 Prozent für private Haushalte mit geringem und mittlerem Einkommen.
Welche Heiztechnik empfiehlt Enno de Vries weiterhin?
Enno de Vries rät weiterhin dazu, sich eine Wärmepumpe einbauen zu lassen.
Quelle: NDR, PATIZONET