Am kommenden Montag beginnt für rund 370.200 Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein der Unterricht. Darunter sind 24.700 Kinder, die erstmals in die Schule gehen. Gleichzeitig machen Gewerkschaften und Oppositionsparteien auf den Mangel an Lehrkräften aufmerksam. Bildungsministerin Dorit Stenke stellt dagegen auch Fortschritte vor.
Inhaltsverzeichnis:
- Lehrermangel in Segeberg, Dithmarschen und Pinneberg
- Verfahren AbordnungPlus als Modell
- Kritik von SPD, FDP und Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
- Unterrichtsausfälle trotz Maßnahmen
- Neue Tests im Schuljahr 2025/2026
Lehrermangel in Segeberg, Dithmarschen und Pinneberg
In Schleswig-Holstein fehlen Lehrer vor allem in Mathematik und Naturwissenschaften. Während Kiel und Flensburg weniger Probleme bei der Besetzung haben, sind ländliche Regionen wie Segeberg, Dithmarschen oder Pinneberg besonders betroffen. Ministerin Dorit Stenke betonte in Kiel, dass im laufenden Verfahren an allgemeinbildenden Schulen nur noch 51 Stellen vakant seien, was 0,25 Prozent aller Stellen entspricht. Im Vorjahr waren es doppelt so viele. Insgesamt wurden 3.552 Lehrkräfte neu eingestellt, davon 2.936 befristet. Gründe für die Befristungen seien Krankheiten, Schwangerschaften oder berufliche Auszeiten.
Wichtige Zahlen zur Lehrerversorgung
- 3.552 neue Lehrkräfte eingestellt
- 2.936 davon befristet
- 51 offene Stellen im Verfahren
- Anteil unbesetzter Stellen bei 0,25 Prozent
Verfahren AbordnungPlus als Modell
Ein Lösungsansatz ist das Verfahren AbordnungPlus. Lehrkräfte erhalten eine feste Stelle an ihrer Wunschschule, wenn sie zuvor drei Jahre in einer Bedarfsregion arbeiten. Seit Februar konnten dadurch 39 neue Lehrerinnen und Lehrer eingestellt werden. Andreas Bentele, stellvertretender Schulleiter der Hans-Christian-Andersen-Stadtteilschule in Kiel, berichtet von Klassen mit bis zu 80 Prozent Migrationsanteil. Er erlebt die Auswirkungen des Lehrermangels täglich und verweist auf fehlendes Personal zur individuellen Förderung.
Kritik von SPD, FDP und Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
Anne Riecke von der FDP spricht von einer Überlastung des Personals. Die Oppositionsparteien werfen der Günther-Regierung Kürzungen bei den Lehrerstellen vor. Martin Habersaat von der SPD prognostiziert einen weiteren Anstieg der Schülerzahlen bis 2035. Kerstin Quellmann von der GEW nennt besonders die Westküste und den Süden des Landes als Problemregionen. Sie fordert mehr Stellen für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache. In diesen Klassen wurden die Gruppengrößen von ursprünglich 16 auf nun 18 Kinder erhöht. In der Praxis seien die Gruppen oft noch größer.
Kernforderungen der GEW
- Mehr Personal für Sprachförderung
- Kleinere Klassen in DAZ-Gruppen
- Stopp der Einsparungen bei Lehrerstellen
Unterrichtsausfälle trotz Maßnahmen
Lehrermangel führt zwangsläufig zu Unterrichtsausfällen. Auch eine theoretische Versorgung von 100 Prozent sei nicht ausreichend. Krankheitsfälle, Schwangerschaften oder Exkursionen ließen sich nicht vermeiden. Ministerin Stenke stellte klar, dass das Land sich keine Überversorgung von 105 Prozent leisten könne. Eltern und Schüler müssten zudem mit digitalem Vertretungsunterricht auf Tablets rechnen.
Neue Tests im Schuljahr 2025/2026
Mit dem neuen Schuljahr starten in Schleswig-Holstein mehrere Testverfahren. Das Projekt EVI erfasst bereits anderthalb Jahre vor Schuleintritt sprachliche Kompetenzen. Das Verfahren LeA.SH1 prüft in der ersten Klasse mathematische und sprachliche Fähigkeiten mithilfe digitaler Tests. Die Ergebnisse sollen innerhalb der ersten acht Wochen erhoben werden.
Auch LeA.SH5 ist neu. Dabei werden die Kompetenzen von Fünftklässlern ermittelt, um die Lehrpläne beim Übergang in weiterführende Schulen besser anzupassen. Die GEW äußert Kritik und warnt, dass Lehrkräfte durch die Vielzahl zusätzlicher Tests stark belastet würden.
Übersicht der neuen Verfahren
- EVI: Sprachliche Überprüfung vor Schuleintritt
- LeA.SH1: Digitale Tests in Klasse 1
- LeA.SH5: Kompetenzanalyse in Klasse 5
Die Debatte um Lehrermangel, Unterrichtsausfälle und neue Prüfverfahren wird Schleswig-Holstein in den kommenden Jahren weiter beschäftigen. Schulen, Lehrkräfte, Eltern und Politik stehen damit vor großen Herausforderungen.
Quelle: NDR