Lieferengpässe in Schleswig-Holsteins Apotheken
Lieferengpässe in Schleswig-Holsteins Apotheken, Foto: Pixabay/Pixabay-Lizenz

Die Nachfrage nach wichtigen Arzneien steigt seit Wochen. Gleichzeitig melden mehrere Apotheken in Schleswig-Holstein erneute Lieferengpässe. Betroffen sind derzeit vor allem Schilddrüsenpräparate, Asthma- und COPD-Mittel, einzelne Psychopharmaka sowie Herz-Kreislauf-Arzneien, wie die Itzehoer Apothekeninhaberin Elisabeth Mürnseer mitteilt. Viele Patienten reagieren verunsichert. Einige Hausärzte warnen vor weiteren Versorgungsproblemen, sollten Infekte in den kommenden Wochen zunehmen. Zur gesundheitlichen Lage im Land passt auch ein Überblick über andere Entwicklungen wie etwa die steigende Zahl von Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen, die ebenfalls das Versorgungssystem fordern.

Inhaltsverzeichnis:

Engpässe bei Schilddrüsenpräparaten

Auslastung der Apotheken steigt

Die Versorgungssituation wirkt bislang stabiler als vor zwei Jahren. Dennoch kommt es laut Apothekerverband phasenweise zu Störungen. Besonders Schilddrüsenpräparate fehlen zunehmend in mehreren Regionen Schleswig-Holsteins. In einzelnen Fällen sind auch Psychopharmaka nur begrenzt lieferbar. Die Nachfrage steigt schneller als die Lager aufgefüllt werden können.

Unterschiedliche Bereiche betroffen

Asthma- und COPD-Mittel gehören ebenfalls zu den Arzneien mit reduzierten Beständen. Die Apotheken melden, dass mehrere Lieferanten nur kleine Mengen ausgeben. Für Patienten bedeutet das mitunter Wartezeiten von 24 bis 72 Stunden. Manche Häuser greifen auf Restbestände anderer Standorte zurück.

Fiebersäfte für Kinder

Lage bei Grippemitteln bleibt entspannt

Bei Fiebersäften und anderen gängigen Grippepräparaten ist die Situation aktuell problemlos. Es gibt keinen Engpass bei Fiebersäften für Kinder. Hausärzte und Apotheken betonen jedoch, dass sich dies innerhalb weniger Tage ändern kann. Steigt die Zahl bakterieller Infektionen, könnte die Nachfrage nach Antibiotika kurzfristig um bis zu 40 Prozent wachsen.

Übersichtliche Hinweise

  • Bestände von Kindermedikamenten sind derzeit ausreichend
  • Antibiotika können knapp werden
  • Nachfrage hängt stark von Infektwellen ab

Weitere regionale Entwicklungen, die das Gesundheitssystem betreffen, lassen sich im Überblick unter mehr Impfungen gegen HPV in Schleswig-Holstein einordnen.

Empfehlungen für betroffene Patienten

Drei praktische Schritte

Apothekerverband und Hausärzteverband geben übereinstimmend Hinweise für Patienten. Empfohlen wird vor allem, Rezepte frühzeitig abzugeben, um Apotheken ausreichend Zeit zur Bestellung zu geben. Das soll längere Wartezeiten vermeiden.

  1. Lage des eigenen Dauermedikaments regelmäßig erfragen
  2. Bei Engpässen sofort mit der Hausarztpraxis Rücksprache halten
  3. Das Netzwerk regionaler Apotheken nutzen

Im Alltag zeigt sich, dass viele Apotheken eng zusammenarbeiten. Sie gleichen fehlende Präparate über benachbarte Standorte aus. Manche Patienten werden direkt an eine Filiale mit ausreichendem Bestand weitergeleitet.

Apothekenversorgung und neue Gesetzespläne

Flexiblere Abgabe geplant

Das Bundesgesundheitsministerium stellte im Oktober einen Gesetzentwurf vor, der im Dezember beschlossen werden soll. Das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz soll ermöglichen, Arzneien mit identischem Wirkstoff auszutauschen, wenn das Original nicht vorrätig ist. Damit würde eine frühere Corona-Regelung dauerhaft zurückkehren. Zusätzlich ist geplant, regelmäßig genutzte verschreibungspflichtige Medikamente ohne erneutes Rezept auszugeben, sofern der Eintrag in der elektronischen Patientenakte dies belegt.

Position des Hausärzteverbands

Der Hausärzteverband unterstützt Teile der Reform. Er befürwortet Änderungen bei Darreichungsformen und Dosierungen. Der Vorsitzende Jens Lassen betont jedoch, dass der Austausch eines Wirkstoffs ausschließlich ärztliche Entscheidung bleibe. Apotheker sollen laut Verband diese Auswahl nicht selbstständig treffen. Eine zusätzliche Perspektive auf landesweite Regelungen bietet ein Blick auf Schleswig-Holsteins neue Social-Media-Regel, die ebenfalls auf klare Verantwortlichkeiten setzt.

Die Lage rund um die Medikamentenversorgung bleibt somit wechselhaft. Mehrere Arzneigruppen sind weiterhin knapp, während gängige Grippemittel noch gut verfügbar sind. Patienten profitieren vor allem von frühzeitiger Planung, enger Abstimmung mit behandelnden Ärzten und der regionalen Vernetzung der Apotheken.

Überprüfen Sie die Standorte der Apotheken in Schleswig-Holstein auf der Google-Karte:

Karte: Google Maps

Quelle: NDR, MILEKCORP