Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland wird in den kommenden Jahren spürbar angehoben. Bereits zum 1. Januar 2026 steigt er von derzeit 12,82 Euro auf 13,90 Euro pro Stunde. Ein Jahr später folgt eine weitere Erhöhung um 70 Cent auf 14,60 Euro. Besonders stark profitieren Beschäftigte in Norddeutschland.
Inhaltsverzeichnis:
- Entwicklung seit der Einführung 2015
- Mehr als sechs Millionen profitieren
- Starker Effekt in Norddeutschland
- Branchen in Hamburg mit den meisten Betroffenen
Entwicklung seit der Einführung 2015
Als der Mindestlohn 2015 eingeführt wurde, lag er bei 8,50 Euro. Innerhalb von zehn Jahren ist er auf 12,82 Euro gestiegen. Das entspricht einer Steigerung um 51 Prozent. Die Entscheidung für die weiteren Anhebungen traf im Juni 2025 die Mindestlohnkommission, bestehend aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern.
Die geplante Entwicklung:
- 2015: 8,50 €
- 2017: 8,84 €
- 2019: 9,19 €
- 2020: 9,35 €
- 2021: 9,60 €
- 2022: 10,45 € → 12,00 €
- 2024: 12,82 €
- 2026: 13,90 €
- 2027: 14,60 €
Mehr als sechs Millionen profitieren
Nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes werden bundesweit 6,6 Millionen Beschäftigte direkt von der Erhöhung auf 13,90 Euro profitieren. Das entspricht 16,8 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Auffällig ist der Unterschied zwischen Betrieben ohne Tarifbindung (jeder Vierte profitiert) und Betrieben mit Tarifbindung (jeder Zehnte profitiert).
Anteil der Beschäftigten mit Stundenlohn unter 13,90 Euro (Auswahl):
| Bundesland | Anteil in % | Jobs unter 13,90 € |
|---|---|---|
| Mecklenburg-Vorpommern | 22,0 | 134.000 |
| Schleswig-Holstein* | 18,5 | 230.000 |
| Niedersachsen | 18,4 | 654.000 |
| Bremen | 17,6 | 69.000 |
| Deutschland gesamt | 16,8 | 6.603.000 |
| Hamburg | 13,5 | 159.000 |
*Für Schleswig-Holstein gelten aufgrund des bereits seit Mai 2025 eingeführten Branchenmindestlohns im Gastgewerbe von 14,97 Euro eingeschränkt aussagekräftige Werte.
Starker Effekt in Norddeutschland
In Mecklenburg-Vorpommern wird mehr als jeder fünfte Beschäftigte von der Erhöhung profitieren. Auch Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen liegen über dem Bundesdurchschnitt. In Hamburg betrifft es zwar „nur“ 13,5 Prozent der Arbeitnehmenden, dennoch sind dies rund 159.000 Menschen.
Besonders auffällig ist das Gastgewerbe. In Niedersachsen arbeiten 93.000 Menschen für weniger als 13,90 Euro, während 71.000 bereits mindestens den künftigen Mindestlohn verdienen. Ähnliche Verhältnisse zeigen sich in anderen nördlichen Bundesländern.
Branchen in Hamburg mit den meisten Betroffenen
Die Daten für Hamburg zeigen, welche Branchen am stärksten betroffen sind:
| Branche | Unter 13,90 € | Über 13,90 € |
|---|---|---|
| Verkehr & Logistik | 13 Tsd. | 76 Tsd. |
| Erziehung & Unterricht | 60 Tsd. | – |
| Hotels & Gastronomie | 30 Tsd. | 29 Tsd. |
| Kultur, Freizeit & Sport | 12 Tsd. | – |
Im Bereich Verkehr und Logistik verdienen 13.000 Beschäftigte weniger als 13,90 Euro. In der Erziehung und im Unterricht betrifft es 60.000 Menschen. Das Gastgewerbe liegt mit 30.000 unterhalb und 29.000 oberhalb der neuen Grenze fast im Gleichgewicht.
Die kommenden Jahre werden für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer spürbare Lohnsteigerungen bringen. Besonders in den norddeutschen Ländern ist der Effekt überdurchschnittlich hoch.
Quelle: NDR