Der Rettungsdienst in Schleswig-Holstein steht vor einer umfassenden Neuordnung. Ein Gesetzentwurf aus dem Gesundheitsministerium sieht klare Prioritäten bei Notrufen vor. Leitstellen sollen schneller entscheiden können. Gleichzeitig rücken neue Versorgungswege in den Fokus. Die Landesregierung reagiert damit auf steigende Einsatzzahlen, Personalmangel und strukturelle Veränderungen im Gesundheitswesen, ähnlich wie bei der angespannten Lage im Gesundheitsbereich, weitere Informationen zur Situation.
Inhaltsverzeichnis:
- Priorisierung in leitstellen Schleswig-Holstein
- Weiterleitung an ärztlichen Bereitschaftsdienst
- Neue fahrzeuge und rettungsstandorte
- Politische reaktionen und kritik
Priorisierung in leitstellen Schleswig-Holstein
Die sechs integrierten Leitstellen in Schleswig-Holstein sollen Einsätze künftig nach festen Einsatzkategorien priorisieren. Dazu zählen Standorte in Harrislee, Kiel, Neumünster, Lübeck, Bad Oldesloe und Elmshorn. Die höchste Kategorie betrifft lebensbedrohliche Notfälle. In diesen Fällen bleibt das Ziel bestehen, dass der Rettungsdienst innerhalb von 12 Minuten eintrifft. Weniger dringliche Einsätze können später bedient werden. Schleswig-Holstein wäre nach Baden-Württemberg das zweite Bundesland mit einer landesweiten Regelung dieser Art.
Die gesetzliche Grundlage stammt aus einem Entwurf von Kerstin von der Decken von der CDU. Das Kabinett befasste sich am Dienstag mit dem Vorhaben. Leitstellen erhalten dadurch mehr rechtliche Sicherheit bei der Steuerung paralleler Einsätze, was auch im Zusammenhang mit neuen landesweiten Vorgaben steht, mehr dazu.
Weiterleitung an ärztlichen Bereitschaftsdienst
Leitstellen sollen Anrufer ohne akuten Notfall direkt an andere medizinische Dienste übergeben dürfen. Dazu zählen der ärztliche Bereitschaftsdienst und die Akutpflege. Disponenten können nach einer Ersteinschätzung entscheiden, ob ein Rettungswagen nötig ist. Ist dies nicht der Fall, erfolgt eine rechtssichere Weiterleitung.
Geplant ist zudem eine stärkere Nutzung telemedizinischer Unterstützung. Rettungsdienstpersonal kann bei Bedarf einen Notfallmediziner digital hinzuziehen. Parallel dazu sollen die Kompetenzen von Notfallsanitätern klarer geregelt werden. Hintergrund ist die dreijährige Berufsausbildung, deren Inhalte bislang nicht immer vollständig angewendet werden konnten. Digitale Lösungen werden bereits erprobt, hier weiterlesen.
Neue fahrzeuge und rettungsstandorte
Das Gesetz sieht die Einführung von Rettungsstandorten ohne vollständige Rettungswachen vor. Von dort aus können Rettungswagen starten. Diese Lösung richtet sich vor allem an den ländlichen Raum. Ziel ist eine bessere Abdeckung bei geringerer baulicher Infrastruktur.
Zusätzlich sind zwei neue Fahrzeugtypen geplant:
- Rettungseinsatzfahrzeug REF für schnelle Erstversorgung im ländlichen Raum
- Notfall-Krankentransportwagen N-KTW für weniger dringliche Transporte
Beide Modelle sollen die vorhandenen Ressourcen entlasten. Seit 2021 ist die Zahl der Notrufe um rund 20 Prozent gestiegen. Wiederkehrende Anrufer sind den Leitstellen häufig bekannt. Künftig können auch Sozialdienste eingebunden werden.
Politische reaktionen und kritik
Aus den Landtagsfraktionen kommen sowohl Zustimmung als auch Bedenken. Wiebke Zweig lobte die rechtliche Klarheit für Beschäftigte. Birte Pauls verwies auf die Notwendigkeit flächendeckender Notaufnahmen. Heiner Garg warnte vor zu langen Wartezeiten auch in der zweithöchsten Einsatzkategorie.
Kritik kam auch vom SSW. Christian Dirschauer befürchtet Nachteile für den ländlichen Raum. Der Gesetzentwurf soll noch im laufenden Jahr vom Landtag beschlossen werden. Anschließend müssen Kreise und kreisfreie Städte die konkreten Einsatzkategorien ausarbeiten.
Quelle: NDR, Milekcorp
FAQ
Was ist das neue Rettungsdienstgesetz in Schleswig-Holstein?
Das neue Rettungsdienstgesetz ist ein geplanter gesetzlicher Rahmen, der es den integrierten Leitstellen in Schleswig-Holstein erlaubt, Notrufe nach festen Einsatzkategorien zu priorisieren und Einsätze flexibler zu steuern.
Warum sollen Notrufe künftig priorisiert werden?
Die Priorisierung soll sicherstellen, dass lebensbedrohliche Notfälle wie ein Verdacht auf Herzinfarkt vorrangig behandelt werden, während weniger dringliche Einsätze auch längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen.
Wie viele integrierte Leitstellen gibt es in Schleswig-Holstein?
In Schleswig-Holstein gibt es sechs integrierte Leitstellen. Sie befinden sich in Harrislee, Kiel, Neumünster, Lübeck, Bad Oldesloe und Elmshorn.
Gilt weiterhin die Hilfsfrist von zwölf Minuten?
Ja, bei lebensbedrohlichen Notfällen bleibt das Ziel bestehen, dass der Rettungsdienst innerhalb von zwölf Minuten am Einsatzort eintrifft.
Was passiert bei Anrufen ohne akuten Notfall?
Anrufer ohne akuten Notfall können nach einer Ersteinschätzung direkt und rechtssicher an andere medizinische Dienste wie den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder die Akutpflege weitergeleitet werden.
Welche Rolle spielt Telemedizin im neuen Gesetz?
Rettungsdienstbeschäftigte sollen sich bei Einsätzen rechtssicher telemedizinische Unterstützung durch einen Notfallmediziner holen können, wenn dies vor Ort erforderlich ist.
Was sind Rettungsstandorte?
Rettungsstandorte sind Standorte, von denen Rettungswagen starten können, ohne dass dort eine vollständige Rettungswache betrieben wird. Sie sind vor allem für den ländlichen Raum vorgesehen.
Welche neuen Fahrzeugtypen sind geplant?
Geplant sind das Rettungseinsatzfahrzeug REF für schnelle Einsätze im ländlichen Raum sowie der Notfall-Krankentransportwagen N-KTW für medizinisch betreuungsbedürftige Patienten mit geringerer Dringlichkeit.
Warum reagiert das Gesetz auf steigende Notrufzahlen?
Seit dem Jahr 2021 ist die Zahl der Notrufe um etwa 20 Prozent gestiegen. Viele Anrufe betreffen jedoch keinen akuten Notfall, was die Ressourcen des Rettungsdienstes belastet.
Wann soll das neue Rettungsdienstgesetz beschlossen werden?
Das Gesetz soll noch im laufenden Jahr vom Landtag beschlossen werden. Anschließend müssen die Kreise und kreisfreien Städte die konkreten Einsatzkategorien ausarbeiten.