Der Bedarf an Therapieplätzen für suchtkranke Jugendliche ist in Schleswig-Holstein hoch. Die Angebote sind begrenzt. Besonders betroffen sind junge Menschen zwischen 16 und 21 Jahren. Eine spezialisierte Station im Kreis Segeberg reagiert mit einem umfassenden Behandlungsansatz. Die Situation fügt sich in eine breitere Debatte zur psychischen Gesundheit junger Menschen ein, die auch bei psychischen Erkrankungen im Jugendalter sichtbar wird.
Inhaltsverzeichnis
- Psychiatrisches Krankenhaus Rickling
- Malte Kopp und Dilara Kersebaum
- Beratungsangebote in Schleswig-Holstein
- Björn Malchow und fehlende Zahlen
- Zehn Plätze auf Sucht U21
Psychiatrisches Krankenhaus Rickling
Die Station Sucht U21 befindet sich im Psychiatrischen Krankenhaus Rickling. Sie richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 21 Jahren. Das Angebot geht deutlich über eine reine Entgiftung hinaus. Ein interdisziplinäres Team begleitet die Patientinnen und Patienten im Alltag und in therapeutischen Einheiten. Ziel ist eine strukturierte Neuorientierung, ähnlich wie sie auch in anderen landesweiten Gesundheitsprogrammen diskutiert wird, mehr dazu hier.
Die Jugendlichen kommen mit unterschiedlichen Abhängigkeiten. Dazu zählen Heroin, Alkohol, Cannabis, Tabletten, Crack, Kokain und problematisches Glücksspiel. In Gruppenräumen finden Gespräche statt. Tischtennisplatte, Sofa und Arbeitsmaterial gehören zur festen Ausstattung. Edukation ist ein zentraler Baustein der Behandlung.
Malte Kopp und Dilara Kersebaum
Sozialpädagoge und Therapeut Malte Kopp leitet Einheiten zur Rückfallprophylaxe. Die Jugendlichen benennen Auslöser wie Traurigkeit, Freundeskreis oder Familie. Sie analysieren Situationen und Risiken. Der Fokus liegt auf Verständnis, nicht auf Sanktion.
Der qualifizierte Entzug erfolgt unter medizinischer Aufsicht. Neurologin Dilara Kersebaum beschreibt die besondere Problematik. Jugendliche konsumieren oft mehrere Substanzen in hoher Dosierung. Die körperlichen Effekte und Risiken können sie häufig nicht einschätzen. Kinder- und Jugendpsychiatrien sind auf diese Patientengruppe meist nicht ausgelegt.
Beratungsangebote in Schleswig-Holstein
Ambulante Präventions- und Beratungsstellen sind landesweit verfügbar. Sie beraten Jugendliche und Angehörige kostenfrei. Das Gesundheitsministerium arbeitet mit der Landesstelle für Suchtfragen Schleswig-Holstein e.V. zusammen. Ziel ist eine bessere Erreichbarkeit, auch digital, mehr hier.
- Diakonie Flensburg mit Jugendsuchtberatung
- Odyssee e.V. mit Schwerpunkt illegale Substanzen
- Cannabis-Checking als neues Angebot
Björn Malchow von der Landesstelle verweist auf diese Strukturen. Therapieplätze bleiben dennoch knapp.
Björn Malchow und fehlende Zahlen
Björn Malchow nennt ein zentrales Problem. Genaue Bedarfszahlen zu stationären Therapieplätzen existieren nicht. Sie werden nicht systematisch erhoben. Das Ministerium prüft eine gesonderte Ausweisung im Rahmen der Krankenhausreform.
- Fachklinik Bokholt Entzug ab 16 Jahren ohne Therapie
- Helios Schleswig Entzug in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ohne feste Platzzahl
- COME IN! in Hamburg auch für Jugendliche aus Schleswig-Holstein
Diese Kapazitäten reichen nicht aus.
Zehn Plätze auf Sucht U21
Die Station Sucht U21 bietet 10 Behandlungsplätze. Sie gilt als Leuchtturm-Projekt für Schleswig-Holstein. Ein familienähnlicher Alltag ist Teil des Konzepts. Feste Zeiten, klare Aufgaben und gemeinsames Essen strukturieren den Tag. Der Suchtaspekt wird nicht isoliert betrachtet.
Jede Patientin und jeder Patient hat eine feste Bezugsperson. Gesprächstherapie, Diagnostik und verschiedene Therapieformen ergänzen sich.
- Ergo- und Musiktherapie
- Kunsttherapie
- Bewegung im Klinikgelände
Therapien finden auch im Gehen statt. Ein 20-Jähriger beschreibt seine Erfahrung so.
Ich finde es richtig gut hier, vor allem dadurch, dass es so ein großes Auffangnetz für uns gibt.
Der Aufenthalt dauert maximal 8 Wochen. Die Warteliste ist lang. Das Team würde gern erweitern. Dafür fehlen Mittel und politische Entscheidungen.
Karte: Google Maps
Quelle: NDR, WEBRIVAIG
FAQ
Was ist die Station Sucht U21 in Rickling?
Die Station Sucht U21 ist ein spezialisiertes Behandlungsangebot im Psychiatrischen Krankenhaus Rickling für suchtkranke Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 21 Jahren.
Welche Suchterkrankungen werden auf Sucht U21 behandelt?
Behandelt werden Abhängigkeiten von Heroin, Alkohol, Cannabis, Tabletten sowie illegalen Substanzen wie Crack und Kokain, außerdem problematisches Glücksspiel.
Wie viele Therapieplätze stehen auf der Station Sucht U21 zur Verfügung?
Auf der Station Sucht U21 stehen insgesamt 10 stationäre Behandlungsplätze für Jugendliche und junge Erwachsene zur Verfügung.
Wer betreut die Jugendlichen auf der Station?
Die Betreuung erfolgt durch ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Psychologen, Therapeuten und Sozialpädagogen, darunter Malte Kopp und Dilara Kersebaum.
Wie lange dauert ein Aufenthalt auf der Station Sucht U21?
Ein stationärer Aufenthalt auf der Station Sucht U21 dauert maximal acht Wochen.
Welche Therapieformen gehören zum Behandlungskonzept?
Zum Konzept gehören qualifizierter Entzug, Diagnostik, Gesprächstherapie sowie Ergo-, Musik-, Kunsttherapie und bewegungsorientierte Angebote.
Warum sind Therapieplätze für suchtkranke Jugendliche knapp?
Es gibt nur wenige spezialisierte stationäre Therapieangebote in Schleswig-Holstein, zudem werden genaue Bedarfszahlen nicht systematisch erhoben.
Gibt es ergänzende Beratungsangebote in Schleswig-Holstein?
Ja, landesweit stehen ambulante Präventions- und Beratungsstellen zur Verfügung, die Jugendliche und Angehörige kostenfrei beraten.