HPV-Impfung
HPV-Impfung, pixabay/Foto illustrativ

In Schleswig-Holstein steigt die Zahl der HPV-Impfungen. Dennoch hinken besonders Jungen beim Impfschutz deutlich hinterher. Fachleute fordern deshalb eine intensivere Aufklärung. Rund 9.000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an Krebsarten, die durch Humane Papillomviren (HPV) verursacht werden. Die wirksamste Maßnahme zur Vorbeugung ist die Impfung. Doch die Impfquote ist weiterhin zu niedrig – besonders bei männlichen Jugendlichen.

Inhaltsverzeichnis:

Steigende Zahlen bei HPV-Impfungen in Schleswig-Holstein

Im Jahr 2023 erhielten laut DAK Gesundheitskasse 21.300 Mädchen und Jungen in Schleswig-Holstein ihre erste HPV-Impfung. Das bedeutet einen Anstieg von 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders auffällig ist der Zuwachs bei den Neunjährigen: Hier stieg die Impfquote um 17 Prozent. Auch bei Kindern im Alter von 9 bis 14 Jahren gab es einen Anstieg von 15 Prozent.

Die HPV-Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) seit 2007 für Mädchen empfohlen, seit 2018 auch für Jungen. Finanziert wird sie für 9- bis 17-Jährige von den gesetzlichen Krankenkassen. Einige private Kassen übernehmen die Kosten auch bis zum 26. Lebensjahr. Der ideale Zeitpunkt für die Impfung liegt vor dem ersten Sexualkontakt.

Markus Hoffmann warnt vor Zunahme von Kopf-Hals-Tumoren

Professor Markus Hoffmann vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel forscht seit 30 Jahren zu HPV-bedingten Krebserkrankungen. Er stellt fest, dass besonders Männer vermehrt an Tumoren im Kopf-Hals-Bereich erkranken. Diese Krebsarten könnten zukünftig häufiger auftreten als Gebärmutterhalskrebs, so Hoffmann. Auch Frauenärztin Ingke Hagemann aus Kronshagen beobachtet einen Anstieg HPV-bedingter Erkrankungen. Sie betont, dass das Immunsystem in vielen Fällen das Virus zwar selbst bekämpft, bei einigen aber eine chronische Infektion entstehen kann.

Warum manche Menschen HPV-Infektionen nicht überwinden, ist noch nicht vollständig erforscht. Dennoch gilt die Impfung als beste Schutzmaßnahme. Bei rechtzeitiger Verabreichung schützt sie zuverlässig vor den gefährlichsten HPV-Typen.

Rückstand bei Jungen trotz Aufklärungsarbeit

Trotz positiver Entwicklungen liegt die Impfquote in Schleswig-Holstein 35 Prozent unter dem Stand von 2019. Besonders bei Jungen ist der Rückgang deutlich: Im Vergleich zu 2022 wurden 41 Prozent weniger Erstimpfungen durchgeführt. Bei den 9- bis 14-jährigen Jungen beträgt der Rückgang 24 Prozent.

Kinderarzt Alexander Baumgarten-Walczak aus Preetz nennt kulturelle Vorbehalte und Fehlinformationen als Hauptursachen. Viele Eltern hätten Sorge, dass die Impfung als Freibrief für sexuelle Aktivität verstanden werden könnte. Dabei könne sie Krebs verhindern, betont der Arzt. Er empfiehlt eine vollständige Impfung bis zum 18. Lebensjahr.

WHO-Ziel - 90 Prozent Impfquote bis 2030

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich klare Ziele gesetzt. Bis 2030 sollen 90 Prozent der Mädchen und deutlich mehr Jungen gegen HPV geimpft sein. Dafür sei laut Expertinnen und Experten eine noch gezieltere Informationskampagne notwendig.

HPV kann viele Krebsarten auslösen – nicht nur bei Frauen. Eine frühe Impfung schützt, unkompliziert und wirksam. Schleswig-Holstein ist auf dem richtigen Weg. Doch um das WHO-Ziel zu erreichen, braucht es mehr Engagement – besonders beim Schutz der Jungen.

Quelle: Tagesschau