Ostseeschutzplan
pixabay/Foto illustrativ

Vor einem Jahr, im März 2024, stellte die Landesregierung in Schleswig-Holstein den Aktionsplan Ostseeschutz vor. Doch Umweltverbände kritisieren die langsame Umsetzung der Maßnahmen. Das Bündnis der Ostsee-Naturschutzverbände fordert mehr Tempo und Verbindlichkeit, insbesondere bei der Reduzierung von Stickstoff- und Phosphoreinträgen. Laut Experten gefährdet die Verzögerung nicht nur die Umwelt, sondern auch die Wirtschaftszweige Fischerei und Tourismus.

Inhaltsverzeichnis:

Dietmar Ulbrich fordert Nationalpark Ostsee

Dietmar Ulbrich vom BUND Schleswig-Holstein betont, dass ein Nationalpark die beste Lösung für den Ostseeschutz wäre. Die Landesregierung hingegen setzt auf den Aktionsplan Ostseeschutz. Ulbrich kritisiert, dass Schutzmaßnahmen nicht mit der notwendigen Geschwindigkeit umgesetzt werden. Er fordert eine Beschleunigung der Verwaltungsprozesse, um Umweltprobleme effizient zu lösen.

Auch die Grünen im Landtag unterstützen eine schnellere Umsetzung des Plans. Bis 2026 soll eine Meeresschutzstation an der Ostsee entstehen. Fortschritte gibt es bei der Munitionsbergung und der Gründung erster Beiräte. Die SPD äußert jedoch Zweifel und kritisiert die Diskrepanz zwischen angekündigten Maßnahmen und deren tatsächlicher Umsetzung.

Folgen für Fischerei und Tourismus

Laut dem Bündnis der Naturschutzverbände sind die bisherigen Maßnahmen unzureichend. Besonders betroffen ist die Fischerei. Heringe und Dorsche sind kaum noch in wirtschaftlich relevanten Mengen fangbar, erklärt Dagmar Struß vom NABU Schleswig-Holstein. Die hohe Schadstoffbelastung des Wassers verschlechtert die Bedingungen für die Fischbestände weiter.

Auch der Tourismus könnte langfristig leiden. Eine verschmutzte Ostsee schreckt Besucher ab und gefährdet wirtschaftliche Existenzen. Die SPD warnt, dass ein intaktes Ökosystem für den Tourismus und die regionale Wirtschaft unerlässlich ist.

Forderungen an die Landesregierung

Auf der Landespressekonferenz präsentierte das Bündnis der Ostsee-Naturschutzverbände drei zentrale Forderungen:

  • Drei neue fischereifreie Schutzgebiete sollen bis Ende 2025 ausgewiesen werden.
  • Motorboote und Jetskis sollen in diesen Gebieten komplett verboten werden.
  • Die geplante Reduktion von Stickstoff und Phosphor reicht nicht aus – stattdessen fordern die Verbände eine Senkung um mindestens 2.000 Tonnen Stickstoff und 65 Tonnen Phosphor jährlich.

Derzeit umfasst der fischereifreie Bereich nur 12 % der Ostsee in Schleswig-Holstein. Die Naturschützer bezweifeln, dass dieser Plan ausreicht, um den Artenschwund aufzuhalten. Sie fordern daher verpflichtende Maßnahmen anstelle freiwilliger Vereinbarungen.

Quelle: ndr.de